Wo nur liegt der Hund begraben?
Jetzt ist es raus - auf grosse Teile der Schweizer Bevölkerung kommt eine explosionsartige...
[mehr]
05.06.09
Seit Einführung des KVG im Jahre 1996 bis ins Jahr 2007 haben die Kosten im Gesundheitswesen 2007 um 45,9% zugenommen und dies ziemlich linear um ca. 4-5 % jährlich. Von einer explosionsartigen Zunahme der Kosten kann keine Rede sein.
In der gleichen Zeit explodierten die Prämien in der Grundversicherung um 81 %. Erstaunlich, dass weder BR Couchepin noch die «Gesundheitsexperten» in unserem Parlament diese auffällige Differenz hinterfragen. Hier gehen auf unerklärliche Weise Milliarden «verloren».
Irgend jemand muss sich an dieser Differenz bereichern und es dürften keinesfalls die Leistungserbringer sein. Denn die Ärzte haben, als wohl einzige Berufsgruppe im Gesundheitswesen, bereits ihr «Fett» abbekommen (Reallohneinbusse 1970 - 2005: 45%!). In dieser Zeitspanne stiegen die Einkommen von Angestellten und Arbeiter um real 25%. Zahlen zur Reallohnerhöhung der Führungsetagen unserer Krankenkassen gibt es kaum.
Bevor diese Diskrepanz zwischen Kostenzunahme und Explosion der Prämien durch die Verantwortlichen (BR Couchepin, die Santésuisse und unsere Parlamentarier) geklärt ist, würde ich dringend abraten, ein insgesamt gut funktionierendes Gesundheitssystem zu gefährden.
Manged-care-Modelle, Praxisgebühren, Parallelimporte von Medikamenten und Spitalschliessungen können vielleicht zu einer kleinen Reduktion der Gesundheitskosten führen. Doch diese Massnahmen greifen zu kurz und treffen die Falschen, nämlich die Patienten und v.a. die Gesundheitsversorgung als Ganzes.
Ein ähnliches Sparpotential wie eine Praxisgebühr oder Senkung der Labortarife könnte problemlos erreicht werden, wenn die Werbe- und vor allem Abwerbungskosten für «gute Kunden» bei den Krankenkassen massiv eingeschränkt und «Billigkassen» verboten würden.
Am sinnvollsten scheint mir aber die Suche nach den «verlorenen» Milliarden. Die Diskrepanz zwischen Prämienexplosion und moderatem Anstieg der Gesundheitskosten muss erklärt werden – denn hier liegt irgendwo ein ganz fauler Hund begraben.
Bevor schmerzhafte Einschränkungen im Gesundheitswesen vorgenommen werden, sollte eine volle Kostentransparenz der Prämienberechnung erfolgen. Auch müsste die Bewirtschaftung der gesetzlich vorgeschriebenen Reserven einer unabhängigen Finanzkontrolle unterstellt werden.
Rolf Brücker, Meggen
Streit um Wirtschaftlichkeit
Herr Christoffel Brändli, ehemaliger Präsident SantéSuisse, wirft der Bevölkerung Sand in die Augen...
[mehr]
09.04.09
Die Kontrolle der Wirtschaftlichkeit, wie sie von SantéSuisse unter weitgehender Akzeptanz des Bundesgerichtes durchgeführt wird, ist zu einem sehr effizienten Druckmittel gegen die gesamte Aerzteschaft entartet und hat sich vom ursprünglichen Gesetzesartikel 56 KVG meilenweit entfernt. Zwischen 2002- 2006 haben die statistisch unwirtschaftlichen Aerzte um mehr als 50% zugenommen. Ab 2004 wird ANOVA als gesamtschweizerisches mathematisches Modell eingesetzt und hat die Zahl auffälliger Aerzte ad absurdum anschwellen lassen : 2006 sind im Kanton Tessin nahezu ein Drittel aller Hausärzte und sage und schreibe fünf von den sechs Krebsspezialisten laut SantéSuisse unwirtschaftlich. Mit Spannung erwarten wir die Anzahl unwirtschaftlicher Aerzte nach den substantiellen Börsenverlusten der Krankenkassen! Das vermeintliche Gespäch um Patientengut und Praxisbesonderheiten zwischen SantéSuisse und einem beanstandeten Arzt ist ein Bluff, weil es in Wirklichkeit gar nicht stattfindet. Zudem verweigert Santésuisse explizit jegliche Fallanalyse der Arztpraxis und lehnte es in diesen Wochen ab, mit einer Taskforce der FMH zusammenzuarbeiten. Woher die Angst vor Transparenz ? Nicht die schwarzen sondern die weissen Schafe sind unter Druck und mit ihnen die teuren medizinischen Leistungen, wie sie eben von Krebskranken und chronisch Kranken verursacht werden!
Helen D Schaufelberger, Lugano
Nationalrat Claude Ruey teilt nicht alle Standpunkte des Dachverbands
Nationalrat Claude Ruey, seit kurzem Vorsitzender von SantéSuisse, der Lobby der...
[mehr]
09.03.09
Manche fragen sich, ob Claude Ruey als Vorsitzender von SantéSuisse, der Lobby der Krankenversicherer, am richtigen Platz ist. «Die Senkung der Labortarife überzeugt SantéSuisse nicht», titelte eine Depesche der SDA. Darin wurde deutlich gemacht, dass Claude Ruey an den möglichen Einsparungen zweifelt, die die von den Ärzten stark missbilligte Massnahme von Pascal Couchepin bringen soll. Kehrtwendung noch am gleichen Tag. Eine zweite SDA-Depesche korrigiert: «SantéSuisse hält die Tarifsenkung für gerechtfertigt».
Wurde Claude Ruey gebeten, seine Ansicht zu ändern? «Überhaupt nicht», schwört er. «Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ausschuss von SantéSuisse und mir». Der Nationalrat erklärt, dass die SDA seine Äusserungen, die er mehreren Westschweizer Tageszeitungen gegenüber gemacht habe, «falsch interpretiert» habe. «Ich habe eine Richtigstellung wegen Falschinterpretation verlangt».
In dem Gespräch gab Claude Ruey aber tatsächlich ein differenziertes Urteil über die Entscheidung von Pascal Couchepin ab und rief zu einer Diskussion auf, die über die «sinnlosen Streitereien» hinausgeht. Soviel zur falschen Interpretation. Trotzdem teilt Claude Ruey nicht alle Ansichten von SantéSuisse.
Im Januar, kurz nach seiner Amtsübernahme als Vorsitzender, hatte der Waadtländer erklärt, dass er gegen die Aufhebung des Kontrahierungszwangs und gegen die parallelen Importe von Medikamenten sei. Überwundene Divergenzen, meint der Betroffene. «Herr Ruey verfügt über seine eigene Freiheit des politischen Handelns», bemerkt Yves Seydoux, Sprecher der Groupe Mutuel. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, dass er ein Liberaler ist, der unsere Überzeugungen teilt und verteidigt. Der Rest sind Details, die er mit seinen Kollegen im Rat besprechen muss.»
In dem Tauziehen zwischen der Eidgenossenschaft und den Ärzten – die sich einer Senkung der Labortarife widersetzen – ist der Vorfall nicht unbemerkt geblieben. Jacques de Haller, Vorsitzender der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, bedauert, dass die angedeutete Unterstützung nur eine Fata Morgana ist. «Wir haben die Absicht von Claude Ruey, einen Dialog zu führen, zur Kenntnis genommen. Das ist auch unser Wunsch», sagt er. «Aber vielleicht wird er nicht vom gesamten Ausschuss von SantéSuisse geteilt».
Sündenbock Arzt
Faktum 1: Der politisch motivierte Abbau der Reserven der Krankenkassen hat in den letzten Jahren...
[mehr]
05.03.09
Faktum 2: Durch die finanziellen Turbulenzen des letzten Jahres haben Krankenkassen wie andere Institutionen auf ihren Geldanlagen einen Verlust eingefahren, was die Reserven weiter senkt.
Faktum 3: Medizin steht nicht still – durch eine moderne Diagnostik und moderne Therapie können Krankheiten und Unfälle effizienter und besser behandelt werden. Dieser Fortschritt hat aber auch seinen Preis.
Faktum 4: Der unmässige Ausbau der Grundversicherung hat «das Ganze» nicht eben billiger gemacht. Zur Erinnerung: Mit der Einführung des KVG wurden die Pflichtleistungen für die Krankenkassen um 50% erhöht. Als dies keine Kostensenkung bewirkte, hat man die Paramedizin (Akupunktur, Homöopathie etc.) dazugeschlagen und als auch dies nicht den gewünschten Preissenkungseffekt hatte, wurde versucht mittels Einbezug der Spitex in die allgemeine Grundversicherung die Kosten zu senken. Der gewünschte Effekt blieb bei allen drei Massnahmen leider aus.
So wird wohl auch 2009 nichts anderes übrigbleiben als den obligaten Sündenbock namens Arzt wieder zur Verantwortung zu ziehen, weil die Ärzte ja immer ein «dankbares Opfer» darstellen.
Der moderne Hausarzt hat vor lauter Arbeit ja gar keine Zeit, sich um solche Details wie Kosten der Krankenversicherung zu kümmern und hat seit Jahr und Tag die von Politik und Krankenkassen eingeführten Fehler ausgebügelt.
Dr. med. Silvio Marugg, Luzern
Wo versickern unsere Krankenkassenprämien?
Die Tarife für therapeutische Leistungen sind seit über zehn Jahren eingefroren. Medikamentenpreise...
[mehr]
19.02.09
Die Krankenkassenprämien steigen jedoch jährlich und mit ihnen die Gehälter in den Chefetagen der Versicherer. Sie können in der Zwischenzeit schon locker mit den Löhnen der Bankbosse mithalten. Millionen werden für Werbung ausgegeben oder für einen neuen Firmenauftritt. Beispiel Helsana: Ein neues Logo, eine neue Hausfarbe. Kleinigkeiten könnte man meinen. Nein, ganz und gar nicht! Im ganzen Land alle Beschriftungen der Agenturen ändern, alle Briefschaften, Couverts, Visitenkarten, und, und... Das kostet locker zig Millionen. Wird die Qualität der Kasse durch diese Geldverschwendung besser, fragt sich der Prämienzahler?
Dr. med. Hans Notter, Luzern
Die Prämienzahler in den Klauen der Administration
Nach einschlägigen Erfahrungen bezahle ich Arzt- und Medikamentenrechnungen selber. So bin ich...
[mehr]
04.02.09
Im Rahmen meiner anfangs Januar gemachten «Jahresabrechnung» erhielt ich innert 10 Tagen zwei kleine Arztrechnungen in verschiedenen Sendungen retour mit dem Vermerk, bei diesen Rechnungen handle es sich um die Rechnungskopien und die Kasse könne nur aufgrund von Originalen Rückerstattungen vornehmen. Ich muss nun in meinem Ordner das „Original“ hervorsuchen, dieses der Kasse erneut einreichen, diese wird die Rechnung erneut überprüfen und mir etwas rückerstatten müssen. Von den Aufwendungen des Prämienzahlers (von den Kassen «Kunden» genannt aber nicht so behandelt) abgesehen, dürfte der Aufwand der Kasse für die Befriedigung von Monsieur le bureau viel höher sein als der Rückerstattungsbetrag. Es ist hier auch zu bemerken, dass die «Rechnungskopie» auch ein Original ist und vom Leistungserbringer hergestellt und dem Patienten zugesandt worden ist. Zudem ist wohl anzunehmen (oder zu hoffen ?), dass die Kasse ihre Kontrollen nicht physisch über das «Streicheln von Papier», sondern elektronisch über die Inhalte der Rechnungen führen wird. Nur so kann man ihr eine den heutigen Ansprüchen gerecht werdende Geschäftsführung attestieren. Damit ist die Argumentation der Kasse ad absurdum geführt und ihr Verhalten als Schikane des Prämienzahlers (Kunden?) entlarvt. Ich werde es mir kaum verkneifen können, bei der nächsten Rückerstattung das Original zu kopieren und die technisch perfekt von mir hergestellte Kopie einzusenden. Ich bin überzeugt, die Kasse wird diese Fotokopie honorieren!
Es ist auch anzunehmen, dass die Kassen bald elektronische Rechnungen verlangen. Die Folge: Ohne Originalpapier müssen sie nichts mehr bezahlen, können riesige Reserven aufhäufen, mit Hilfe von smarten Bankern hohe Gewinne «erarbeiten» und bei der nächsten Finanzkrise alles wieder verlieren!
Marco Bazzani, Hergiswil
Qualitativ hochwertige ambulante Versorgung in der Schweiz darf nicht aufs Spiel gesetzt werden
Der Blick über den Zaunpfahl zu unserem Nachbarn Deutschland zeigt klar: Nicht alles was glänzt ist...
[mehr]
01.02.09
Hochgelobt wurde die mit Wirkung zum 1.1.2009 in Deutschland eingeführte Honorarreform, in der die fast 150.000 in der Praxis tätigen Ärzte insgesamt zweieinhalb Milliarden Euro mehr für ihre Leistungen erhalten: Damit komme auch die Gesundheitsreform in Deutschland ein grosses Stück voran. "Wir begrüssen, dass die Kassenärzte nun ein kalkulierbares, gerechteres und auch transparentes Honorarsystem erhalten", sagte ein Sprecher von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).
Doch die Realität sieht anders aus: zahlreiche medizinische Abklärungen können nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden, weshalb sie für den allgemein versicherten Patienten nur noch eingeschränkt zu Verfügung stehen.
Im mittelfränkischen Ansbach z.B. gibt es bei Strassendemonstrationen lautstarke Protestaktionen vieler Mediziner. Der Unmut der niedergelassenen Ärzte richtet sich gegen die seit Jahresbeginn geltende Honorarregelung. Wieder bleiben viele Praxen geschlossen, und ein Notfall-Dienst für die Patienten wird eingerichtet. Die Honorare würden die Kosten für die Behandlung nicht mehr decken, kritisieren die Ärzte (Bayrisches Fernsehen: 28.01.2009).
Auch in Baden-Württemberg fordern die niedergelassen Gastroenterologen eine akzeptable Bezahlung für Magenspiegelungen. „Es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir mittlerweile für Magenspiegelungen ein Drittel weniger Honorar bekommen, obwohl gleichzeitig die Kosten für unsere Aufwendungen steigen und Magenspiegelungen nur nach entsprechenden Qualitätsrichtlinien erbracht werden können“ so der Heilbronner Gastroenterologe Dr. Jürgen Merkt. Dies hat zur Folge, dass die in der Praxis tätigen Gastroenterologen in Baden-Württemberg vorerst keine weiteren Gastroskopien durchführen. Der Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng) bezieht sich auf die Entscheidung der Vollversammlung vom 26.11.2008 in Stuttgart. „2008 ist das Honorar für die Gastroskopie um fast 30 Prozent gefallen“, erklärt Dr. Jürgen Merkt, Regionalvertreter des bng Baden-Württemberg. Das liesse eine kostendeckende Durchführung der Gastroskopie nicht mehr zu. Auch der MEDI Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner bestätigte: „Von einem angeblichen Zuwachs von 2,5 Milliarden Euro kommt in Baden-Württemberg nichts an.“ Am 17.12. 2008 haben MEDI und der bng die niedergelassenen Ärzte in einem gemeinsamen Schreiben darüber informiert, dass Magenspiegelungen in den Praxen nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden könnten.
Prof. Dr. med. Marcus M. Maassen, Luzern